Interview mit Ben Ivory

Ben Ivory, der frühere Frontman der Band SplinterX zeigt nun erneut mit einem Soloalbum sein Können.
Die Muse des Modedesigners Kilian Kerner, versteht es Musik und Mode zu vereinen.



1. Menschen, Theater, Film: Was beeinflusst dich am Meisten und Warum?


Eigentlich beeinflusst mich alles gleichermaßen. Ich glaube, ich reflektiere
meist einfach nur was mich umgibt...



2. Was liebst du an Berlin?

Es ist eine Stadt wie keine andere, sowohl positiv als auch negativ.
Ich bin ja ein waschechter Ost-Berliner, die Stadt ist einfach mein Herz, meine Heimat.
Hier zu leben ist oft wie ein Tanz auf dem Vulkan.
Aber so ernüchternd dies manchmal sein kann, so sehr liebe ich das Gefühl
der ständigen Bewegung und der Veränderung in Berlin!



3. Woher nimmst du deine Inspirationen für deine Musik?

Als ich klein war, gab es da draußen eine magische Welt voller Zauber und
Träume, wenn du älter wirst, werden die Dinge dann jedoch zunehmend
realer und die Magie verschwindet immer mehr.
Durch die Musik habe ich mir einen Zugang zu dieser Welt bewahrt.
Dort gibt es keine Regeln und keine Grenzen,
mit meiner Musik will ich daran erinnern, wie schön Träume sind!
Und vielleicht kann ich sogar dem Ein oder Anderen
etwas von der Magie schenken, nach der wir uns alle so sehr sehnen.
Wenn wir aufhören zu träumen, zu glauben dass alles möglich ist,
dann bleiben wir stehen, Stillstand ist eine sehr beängstigende Vorstellung!



4. Gibt es einen Fotografen den du durch seine Bilder besonders schätzt?

Ich bin ja eigentlich selbst Fotograf und habe mir in der Anfangszeit damit meine Musik finanziert.
Ich habe damals das Glück gehabt, viele meiner „fotografischen Helden“ auch kennen lernen zu dürfen. Heute hilft mir das sehr, denn ich kann mit ihnen arbeiten.
Grundsätzlich interessiert mich bei anderen Fotografen meist mehr die Idee
als die technische Umsetzung.
Mein Mentor sagte damals immer zu mir: „Alles was zählt ist das Ergebnis,
der Weg dorthin interessiert am Ende eigentlich keinen!“
und das sehe ich auch so!

Es gibt eine ganze Menge Fotografen, deren Arbeiten ich sehr schätze, dazu gehören zum Beispiel:
Steven Klein, Kristian Schuller, Ulrich Hartmann, Ben Wolf, Andreas Fux
oder Stephan Schramm.
Einer meiner ganz großen Favoriten ist auch Gottfried Helnwein,
allerdings würde ich ihn nicht nur auf seine fotografische Arbeit reduzieren wollen.



5. Was möchtest du deinem Publikum durch deine Musik vermitteln?

Wir machen uns das Leben oft so schwer mit unseren Vorstellungen von
Richtig und Falsch, Gut und Böse und Schwarz und Weiß!
Dabei ist alles unweigerlich miteinander verbunden, ein Kreislauf.
Lasst euch mitreißen von diesem Kreislauf und schenkt euren Mitmenschen dann etwas von dem Glück,
das man empfindet, wen man das Leben wirklich spürt!
Auch wenn es in diesen Tagen schwer sein mag, dies in die Tat umzusetzen,
so sollte man niemals aufhören an seine Träume zu glauben!
Alles ist möglich! Ich denke, dass meine Musik diese Euphorie vermitteln kann!



6. Empfindest du deine Tätigkeit als Künstler wirklich als Arbeit oder eher als Freizeit?

Musik ist weder Arbeit noch Hobby für mich, Musik ist meine Passion,
sie erfüllt mein Leben und macht es reicher!






7. Glaubst du, dass es wichtig ist Musik und Mode zu vereinen?

Ich glaube, dass es spannend ist, Symbiosen zu schaffen. Je mehr Menschen gemeinsam
an einem Strang ziehen, umso größer wird die Kraft…Dafür muss man jedoch lernen,
sich aufeinander einzulassen und das ist nicht immer leicht,
denn das Ego steht dabei oft im Weg. Kilian und ich, zum Beispiel, haben uns gesucht und gefunden!
Kennen gelernt haben wir uns ursprünglich beim Shooting seiner ersten Kollektion,
ich habe damals die Fotos gemacht.
Wir sind seitdem im stetigen kreativen Austausch, eine echte Symbiose,
egal ob wir gerade gemeinsam an etwas arbeiten oder jeder für sich ein Projekt verwirklicht.
Wir unterstützen uns gegenseitig und das macht uns stärker.
Für uns hat sich diese Vereinigung also immer sehr gelohnt!



8. Würdest du Kilian Kerner ein Bestandteil deiner Karriere nennen?

In erster Linie ist er mein bester und auch einer meiner längsten Freunde.
Die Auftritte und das Komponieren für Kilians Shows sind immer ein absolutes Highlight
und eine tolle Herausforderung.
Er gehört einfach genauso zu meiner Karriere wie zu meinem Leben!



9. Bei vielen Auftritten sieht man, dass du mit sehr viel Gefühl singst. Was fühlst dabei?

Das ist immer unterschiedlich, eine Menge hängt ja auch davon ab, wie das
Publikum drauf ist. Die Energie zwischen Sänger und Publikum ist unbeschreiblich, man
spürt schnell wie die Leute drauf sind. Die Kunst besteht dann darin, ihnen das zu geben
was sie brauchen, um sich frei zu machen und mit dir auf eine Reise zu gehen.
Es ist immer besonders spannend für mich zu sehen, wie sich die Songs entwickeln.
Ein Titel den ich vielleicht in einem eher traurigen Moment geschrieben habe, kann durch das
Publikum etwas ganz Positives bekommen. Der Song und das Gefühl dazu sind stets im Wandel,
das macht die Sache sehr spannend und hat manchmal fast schon etwas Therapeutisches (lacht).



10. Wann ist ein Auftritt für dich perfekt?

Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit dem Publikum Eines werden kann und wir alle
auf einer Welle gleiten...



11. Androgynität ist fast schon zu einem Markenzeichen von dir geworden.
      Gibt es etwas, dass dir dann doch ''too much'' wäre?     

Was zu viel oder zu wenig ist kann ich nicht sagen, das entscheidet jeder
individuell. Ich persönlich versuche immer die Schönheit in den Dingen aufzudecken,
der Kontext ist eher zweitrangig. Androgynität habe ich ja nicht erfunden,
ich bin einfach so geboren worden.
Ich empfinde die Weiblichkeit aber nicht als Last sondern als Schlüssel.
Ich liebe die Schönheit, ich liebe die Frauen und somit die Weiblichkeit,
dennoch bin ich sehr stolz darauf, ein Mann zu sein!
Das Tolle ist, dass ich beide Seiten in mir trage und somit vielleicht auch mal vermitteln kann (lacht).
Wichtig ist am Ende doch aber nur, endlich die Grenzen aus den Köpfen zu bekommen
und daran zu erinnern, dass Menschlichkeit immer das oberste Gebot sein sollte!